Der Grasfrosch liebt kleine Teiche und Weiher. Foto: © R. Sturm, LBV Bildarchiv
Der Grasfrosch liebt kleine Teiche und Weiher. Foto: © R. Sturm, LBV Bildarchiv

In Wasser, Wald und Wiese zu Hause

Christian Köbele

Amphibien sind, wie der Name sagt, doppellebig. Sie leben im Wasser ebenso wie auf dem Land und wechseln mühelos zwischen beiden Elementen. Doch die vielfältigen Lebensräume, in denen sich Amphibien bewegen, geraten schnell aus dem Gleichgewicht.

Amphibien führen auch ökologisch gesehen ein Doppelleben. Während die vorwiegend vegetarische Kaulquappe Algenbelag von Wasserpflanzen „grast“, ist der ausgewachsene Frosch ein Fleischfresser. Eine ertrunkene Schnecke als willkommene Eiweißquelle verschmähen allerdings auch Kaulquappen nicht und halten so gleichzeitig ihren Weiher sauber. Sie selbst sind wiederum Nahrung für Fische und Libellenlarven, als adulte Tiere für Weißstorch, Graureiher und Ringelnatter.

Wasser für neues Leben

Amphibien brauchen vielfältige Lebensräume, zwischen denen sie sich ohne große Hindernisse bewegen können. Zur Laichzeit sind alle Arten auf geeignete Gewässer angewiesen, in denen sie ihre mit Gallerte verbundenen Eier ablegen können. Doch nicht jeder Teich, Tümpel oder Weiher ist gleich gut geeignet. Während sich die Kaulquappen der Erdkröte mit Abwehrstoffen gegen Fische wehren können, fehlt dem Nachwuchs der Wechselkröte ein Schutz gegen Feinde. Deshalb bevorzugen Letztere flache und fischfreie Gewässer, mit Vorliebe auch mit Wasser gefüllte Fahrspuren z.B. in Kiesgruben. Überhaupt sind besonders die seltenen Arten auf fischfreie Kinderstuben angewiesen. In einem Weiher unbedacht ausgesetzte Goldfische können leicht eine ganze Kaulquappengeneration vertilgen.

Land in Sicht

Der quakende Frosch im Teich ist das Bild, das viele beim Begriff „Amphibien“ vor Augen haben. Während Molch und Gelbbauchunke tatsächlich viel Zeit im Wasser verbringen, leben zahlreiche andere Arten überwiegend an Land. Der Laubfrosch begibt sich fast nur zur Eiablage ins Wasser, ansonsten lebt er an Land und klettert sogar auf Bäume. Der Springfrosch lebt im oder nah am Wald, Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch finden sich häufig in unseren Gärten. Die Wechselkröte ist anspruchsvoller. Sie braucht sogenannte Pionierlebensräume wie Kiesbänke in selten gewordenen Flussauen, Ersatz fand sie in Kiesgruben. Im Herbst suchen sich die Tiere dann geeignete Winterquartiere wie aufgegebene Mäuselöcher oder Hohlräume zwischen Baumwurzeln und in Totholzhaufen.

Foto: © J. Roemheld, LBV Bildarchiv
Foto: © J. Roemheld, LBV Bildarchiv

Auch die zunehmend heißen Sommer scheinen für Erdkröten ein Problem zu werden.


Zahlloser Rückgang

Im Landkreis Fürstenfeldbruck finden sich 13 heimische Amphibienarten – von der häufigen Erdkröte, über den versteckt lebenden Kammmolch bis zum kleinen, aber lauten Laubfrosch. Genaue Zahlen über die aktuellen Bestände fehlen jedoch. Sicher ist nur, dass sie stark rückläufig sind. Das zeigte sich bereits 2004 bei der letzten Kartierung. Alle Arten waren im Vergleich zu Daten von 1984/85 stark zurückgegangen. Die Anzahl der Tiere an den Amphibienschutzzäunen deuten darauf hin, dass der Rückgang weiter voranschreitet.

Gefahren allerorts

So vielseitig wie die Lebensräume von Amphibien, so vielseitig sind auch die Ursachen ihrer Gefährdung. Der Verlust von Lebensräumen und die Zerschneidung der Landschaft durch starke Besiedlung oder Straßen stehen in jedem Fall an erster Stelle. In Fürstenfeldbruck ist das vor allem im östlichen Landkreis der Fall.  

 

Amphibien bewegen sich zwar zwischen Land und Gewässer, sind aber wenig mobil. Bereits eine hohe Bordsteinkante wird zum riesigen Hindernis. Die Folge: Nachbarlebensräume sind nicht mehr erreichbar und es findet kein genetischer Austausch mehr statt. Ein Beispiel für die Folgen menschlichen Eingreifens findet sich an der Emmeringer Leite im Landkreis Fürstenfeldbruck. Einst war der Waldweg oberhalb des ehemaligen Tonwerks mit seinen Fahrrinnen ein Paradies für die Gelbbauchunke – bis die Rinnen mit Dachziegeln verfüllt wurden. Seitdem ist die Population fast verschwunden. 

 

Auch Pflanzenschutzmittel setzen den dünnhäutigen Amphibien zu. Giftstoffe werden direkt über die Haut aufgenommen. Kommen Kröte & Co. mit einer Dosierung, wie sie üblicherweise in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt wird, in Kontakt, endet das für sie häufig tödlich. Die Folgen des Klimawandels sind noch nicht abzusehen, doch Indizien gibt es bereits: Nach dem Hitzesommer 2018 fanden sich heuer bayernweit zwei Drittel weniger Erdkröten an den Schutzzäunen. Eine weitere Bedrohung für unsere heimischen Amphibien, zum Glück wohl aber noch nicht bei uns im Landkreis, sind eingeschleppte tödliche Hautpilzkrankheiten. 

Wenig bekannte Amphibien im Landkreis


Wechselkröte, Foto: © R. Sturm, LBV Bildarchiv
Wechselkröte, Foto: © R. Sturm, LBV Bildarchiv

Kreuz- und Wechselkröte

 

Die Kreuzkröte ist west-, die Wechselkröte ost-europäisch (kon-tinental) verbreitet, der Landkreis Fürstenfeldbruck ist Überlappungs-gebiet beider Arten; bayernweit ist die Wechselkröte vom Aussterben bedroht, zwei Drittel der bayernweite Bestände im Raum München. Pupille waagrecht, Iris grünlich; Oberseite grau bis bräunlich mit grünen Flecken; Haut warzig; Kreuzkröte mit gelber Rückenlinie.

Lebensraum Land: offene Lebensräume mit Sand und Kies.

Lebensraum Wasser: flache, gut besonnte, vegetationsarme, kleine bis mittelgroße, fischfreie Gewässer, die auch periodisch austrocknen.

Wechselkröte im Landkreis: um Jesenwang (hier auch Bastarde beider Krötenarten), im Puch bis zur Rothschwaige.

Laubfrosch, Foto: © Ralph Sturm, LBV Bildarchiv
Laubfrosch, Foto: © Ralph Sturm, LBV Bildarchiv

 

Laubfrosch

 

Oberseite hell- bis dunkelgrün. Haftscheiben an Zehen und Fingern, einzige einheimische Amphibienart, die (auf Hochstauden, Sträucher und Bäume) klettern kann.

Lebensraum Land: ursprünglich naturnahe Auengebiete, heute auch feuchte Laubwälder, Feuchtwiesen

Lebensraum Wasser: fischfreie gut besonnte, flache Gewässer (Weiher, Teiche, Altwasser, kleine Kiesgrubengewässer), mit gut entwickelter Unterwasser- oder schwimmender Vegetation, aber auch offener Wasserfläche.

Gelbbauchunke, Foto: © Dr. C. Moning, LBV Bildarchiv
Gelbbauchunke, Foto: © Dr. C. Moning, LBV Bildarchiv

 

Gelbbauchunke

 

Oben unscheinbar grau-braun, in der Warnhaltung gelb/schwarzes Muster am Bauch, herzförmig-dreieckige Pupille.

Lebensraum Land: in Wäldern, Fahrspuren, in Toteislöchern

Lebensraum Wasser: besonnte Klein- und Kleinstgewässer, die das Wasser mindestens zwei Monate halten, heute oft in Fahrspuren, Lachen, Tümpeln auf (Wals-, Rücke-) Wegen und in Kiesgruben

Im Landkreis: um den Jexhof sowie Emmeringer Leite

Kammmolch, Foto: T. Stephan, LBV Bildarchiv
Kammmolch, Foto: T. Stephan, LBV Bildarchiv

 

Kammmolch

 

Bauch orangegelb mit ausgeprägten dunklen Flecken, zur Laichzeit Männchen mit gezacktem Kamm (auf Höhe des Schwanzansatzes unter-brochen), größer als Bergmolch; sehr gut getarnt und versteckt, deshalb schwer zu finden und nachzuweisen.

Lebensraum Land: besiedelt unterschiedliche Lebensraumtypen;  Präferenz zu bewaldeten Bereichen, bevorzugt Laubwaldbereiche

Lebensraum Wasser: meist gut besonnte, vegetationsreiche mittel-große bis größere Stillgewässer mit einer Mindesttiefe von 0,5m; periodisch austrocknend.

Im Landkreis: um Grafrath und Jesenwang.

 

 

 


Geförderter und geforderter Schutz

Vier Fünftel unserer Amphibienarten stehen bereits auf der Roten Liste und sind teilweise vom Aussterben bedroht. Ohne Schutzmaßnahmen haben sie kaum Überlebenschancen. Deshalb engagiert sich der LBV seit vielen Jahren für den Amphibienschutz. Der LBV München beispielsweise betreut seit 2009 das BayernNetzNatur-Artenhilfsprojekt „Wechselkröte im Raum München“. Das Projektgebiet erstreckt sich von München über die Landkreise Freising, Dachau, Fürstenfeldbruck und Ebersberg. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Mitteln der Glücksspirale, die Stadt München sowie alle Landkreise, außer Fürstenfeldbruck, beteiligen sich mit einem Eigenanteil. Zu den wichtigsten Aufgaben des Programms zählen Erhalt und Schaffung geeigneter Laichgewässer in Kiesgruben und die Beratung der Betreiber. 

Aber auch jeder Bürger kann zum Schutz von Amphibien beitragen, beispielsweise als Helfer für Amphibienschutzzäune, die in der Laichsaison zweimal täglich kontrolliert werden müssen (siehe Kasten). Im eigenen Garten sollte man auf Gift verzichten, eine Ecke mit Totholz belassen und seine Lichtschächte mit feinmaschigem Gitter absichern. Übrigens: Im Gartenteich tummelt sich viel mehr Leben, wenn es dort keine Fische gibt.  

Wechselkröte, Foto: © C. Köbele, LBV Bildarchiv
Wechselkröte, Foto: © C. Köbele, LBV Bildarchiv

Wechselkröte bei der Eiablage geeignete Laichplätze werden für diese und andere Arten immer seltener.


Über den Autor

Der Biologe Christian Köbele war von 2004 bis 2009 für den LBV Fürstenfeldbruck tätig, bevor er zur Geschäftsstelle München wechselte. Dort ist er u.a. für das Artenhilfsprojekt „Wechselkröte im Raum München“ zuständig. Seit 2018 ist er zudem 1. Vorsitzender des Landesverbands für Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern e.V. (LARS).